European Defence Fund – Fördermittel im Blickpunkt der Zeitenwende

  • Von Dr. Cornelia Unger
    • 12 Sept. 2025
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European Defence Fund

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat einen Paradigmenwechsel in der europäischen Sicherheits-, Verteidigungs- und Energiepolitik eingeleitet. Der internationale Liberalismus sowie die Garanten für relativen Frieden und Sicherheit wurden auf mittlere Frist in Frage gestellt und durch neorealistische Strömungen ersetzt. Der außenpolitische Grundsatz „Wandel durch Handel“ ist durch das Konzept der „Zeitenwende“ ersetzt worden.

Kernziel dieser „Zeitenwende“ ist es, die konventionelle und moderne Verteidigungsfähigkeit auszubauen sowie die zivile Sicherheit in Deutschland und Europa zu stärken.

Stärkung der Sicherheitsstrategie: ein europäisches Anliegen

Dieser Wandel steht vor diversen politischen, administrativen und nicht zuletzt strukturellen Herausforderungen, wie beispielsweise einer inzwischen gravierenden europäischen Kapazitäts- und Innovationslücke in der zivilen und militärischen Sicherheit, die auf den vorherigen Zeitgeist zurückzuführen ist.

Es ist somit notwendiger denn je, die europäische Innovationskraft zu stärken. Dafür bedarf es geeigneter, tiefenintegrierter Förderstrukturen, die nicht nur nationale, sondern gesamteuropäische Innovationspotenziale haben.

Der European Defence Fund im Überblick

Den Meilenstein in der europäischen Forschungsförderung markiert der April 2021, als der Europäische Verteidigungsfond endgültig beschlossen wurde. Der European Defence Fund (abgekürzt: EVF oder EDF) umfasst dabei ein Volumen von nahezu 7,3 Milliarden Euro für die Jahre 2021 bis 2027. Dabei sollen 2,7 Mrd. Euro in die kollaborative Forschung und 5,3 Mrd. Euro in die Entwicklungsprojekte fließen, die nationale Beiträge komplementieren. Die finanzielle Unterstützung erfolgt dabei durch Grants mit bis zu 100% ansetzbaren Aktivitäten sowie einem Bonussystem (u. a. für KMU).

Dabei soll ein Beitrag zu den Sicherheits- und Verteidigungsinteressen der Europäischen Union geleistet werden, die mit der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP), dem Plan zur Entwicklung der Fähigkeiten (Capability Development Plan, CDP) sowie mit Prioritäten von internationalen Organisationen (NATO) im Einklang stehen. Prinzipiell sollen die jährlichen Arbeitsprogramme so konzipiert werden, dass alle militärischen Bereiche und Schlüsseltechnologien abdeckt werden. So umfasst das Arbeitsprogramm 2025 33 „Call Topics“, sieben thematische Calls für Vorhaben, zwei themenoffene Ausschreibungen für KMU sowie zwei Maßnahmen zur Unterstützung der Allianz für medizinische Gegenmaßnahmen im Verteidigungsbereich.

Das Jahresarbeitsprogramm des EDF für 2025 hat ein Volumen von über 1 Mrd. Euro. Unterstützt werden dabei die Entwicklung kritischer Verteidigungstechnologien und -fähigkeiten in allen militärischen Bereichen, einschließlich Boden-, Luft-, See-, Weltraum- und Cyberspace.

Statement unseres Experten

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Durch gezielte finanzielle Unterstützung und die Förderung von fortschrittlichen Technologien ermöglicht der EDF es Akteuren, sich besser in europäische Verteidigungslieferketten zu integrieren. Unternehmen, die sich erfolgreich auf diese Ausschreibungen bewerben, können entscheidend zur technologischen Souveränität Europas beitragen und langfristig ihre Position im sicherheitsrelevanten Sektor festigen.

Simon Glaser Manager Scientific Consulting

Aktuelle Förderaufrufe: Beispiele

Drei interessante Calls aus dem European Defence Fund sind zum Beispiel:

  • EDF-2025-LS-RA-SI-ENERENV-NH2PS-STEP: Naval hybrid propulsion and power
  • EDF-2025-DA-CYBER-CDOC-STEP: Improved cyber defence operations capabilities
  • EDF-2025-LS-RA-SMERO: Call for proposals dedicated to SMEs and research organisations

Call „EDF-2025-LS-RA-SMERO“ auf einen Blick

Die Ausschreibung EDF-2025-LS-RA-SMERO richtet sich gezielt an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Forschungseinrichtungen, um deren Innovationskraft im Bereich der Verteidigungsforschung zu fördern. Sie zielt darauf ab, neue, technologisch fortschrittliche Lösungen für sicherheits- und verteidigungsrelevante Anwendungen zu entwickeln. Der Fokus liegt auf disruptiven Technologien und bislang zivil genutzten Lösungen, die für militärische Anwendungen adaptiert werden können. Der Call ist themenoffen und erlaubt eine große Bandbreite an Forschungsansätzen, darunter beispielsweise Projekte zur Mensch-Maschine-Interaktion, Robotik, Cyber-Security, künstlichen Intelligenz, nachhaltigen Technologien wie Recycling oder Wasseraufbereitung in Einsatzlagern, der Nutzung synthetischer Kraftstoffe, sowie neuartige Lösungen im Bereich Hochfrequenztechnik oder der Elektronikfertigung.

Wer wird gefördert?

Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich Konsortien, deren Koordinator ein KMU ist. Die übrigen Mitglieder können ebenfalls KMU oder Forschungseinrichtungen sein. Wichtig ist, dass der Anteil der beantragten Fördermittel für Forschungseinrichtungen 40 % nicht überschreitet. Die Projekte werden über sogenannte Lump-Sum-Zahlungen gefördert, wobei die maximale EU-Förderung pro Projekt bei 4 Millionen Euro liegt. Insgesamt stehen für diesen Call bis zu 36 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung.

Was ist das Ziel des Calls?

Zielsetzung des Calls ist es, neue Konzepte und technische Ansätze zu entwickeln, die langfristig die europäische technologische Souveränität im Verteidigungsbereich stärken. Dabei steht insbesondere die Entwicklung kosteneffizienter, einsatzfähiger und nachhaltiger Technologien im Vordergrund. Der Call soll es innovativen KMU ermöglichen, sich besser in europäische Verteidigungslieferketten zu integrieren, neue Märkte zu erschließen und ihre Innovationskraft in einem sicherheitsrelevanten Kontext unter Beweis zu stellen.

Wie kann man sich auf den Call bewerben?

Die Antragstellung erfolgt über das EU-Funding & Tenders Portal. Einzureichen sind u. a. eine detaillierte Projektbeschreibung, Angaben zu den Projektpartnern und deren Rollen, ein Finanzierungsplan sowie gegebenenfalls zusätzliche Erklärungen (z. B. zur Nutzung sicherheitskritischer Infrastruktur oder zur Projektleitung durch ein in der EU kontrolliertes Unternehmen).

Der Stichtag zur Einreichung ist der 16. Oktober 2025. Sollten sie sich noch nicht in der Antragstellung befinden und für nächstes Jahr Interesse an der Teilnahme am EDF haben, melden Sie sich gerne jetzt schon. Die Ausschreibungen werden auch zukünftig eine strategische Möglichkeit für KMU und Forschungseinrichtungen bieten, in einem innovationsfreundlichen Rahmen verteidigungsbezogene Forschung mit europäischem Mehrwert zu fördern.

Ihr Partner für die Antragstellung

Haben Sie ein Projekt, das für den European Defence Fund in Frage kommen könnte?

Leyton Deutschland steht Ihnen als erfahrener Partner zur Seite, um Sie bei der Antragstellung für den European Defence Fund zu unterstützen. Mit umfassendem Know-how in der Beschaffung von Fördermitteln und tiefem Verständnis der Anforderungen des EDF maximieren wir Ihre Chancen auf eine erfolgreiche Antragstellung. Unser Experten-Team begleitet Sie durch den gesamten Prozess.

Vereinbaren Sie hier Ihr unverbindliches Erstgespräch, um Ihre Förderchancen gemeinsam mit uns zu evaluieren.

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Rückblick: der Weg zu einer gemeinsamen Verteidigungspolitik

Die Entstehung des European Defence Fund war das Ergebnis intensiver Vorarbeiten. 2017 hatten sich die Verteidigungsministerinnen und -minister der EU auf mehrere Projekte zur Zusammenarbeit in der europäischen Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik geeinigt. Darunter:

  • die ständige strukturierte Zusammenarbeit (Permanent Structured Cooperation, PESCO), die gemeinsamen Prioritäten der 25 EU-Staaten definiert und mehr gemeinsame Rüstungsprojekte fördern soll,
  • Coordinated Annual Review on Defence (CARD), ein jährlicher Bericht über die europäische Verteidigungslandschaft, der auch Empfehlungen für nationale Rüstungsvorhaben enthalten soll,
  • der europäischen Verteidigungsfond: ein Fördertopf der Kommission, aus dem gemeinsame Rüstungsforschung finanziert werden soll.

Zuvor gab es aufgrund bestehender europäischer Verträge Schwierigkeiten, die Verteidigungspolitik gemeinsam zu gestalten und monetär zu fördern. Im Vertrag von Lissabon 2009 sprach man noch von einer schrittweisen Festlegung einer gemeinsamen Verteidigungspolitik, während in der globalen Strategie der EU aus dem Juni 2016 bereits festgehalten wurde, dass die Verteidigungszusammenarbeit die Norm werden solle.

Autor/-in

Dr. Cornelia Unger_Scientific Consultant_Leyton Deutschland
Dr. Cornelia Unger

Teamlead Scientific Consulting & Expertin für Forschungsthemen betreffend der inneren und äußeren Sicherheit

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