Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit: Was steckt hinter Biokunststoffen?

  • Von Sebastian Henz
    • 7 Mai 2025
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Kunststoff ist überall. In nahezu jedem Produkt, in der Luft, im Boden, im Hausstaub, auf dem Meeresgrund, im arktischen Eis und sogar in unserer Blutbahn. Viele Industrien setzen daher seit geraumer Zeit auf neuartige Biokunststoffe, um Probleme für Umwelt und Gesundheit zu vermeiden. Doch was genau sind Biokunststoffe? Und welche Vorteile bringen sie wirklich?

Was ist Bioplastik?

Bioplastik vs. biologisch abbaubaren Kunststoff

Während die Begriffe Biokunststoffe, Bioplastik, bio-basierte Kunststoffe und biologisch abbaubare Kunststoffe oft synonym verwendet werden, bezeichnen sie unterschiedliche Produkte.

Biokunststoffe umfassen Kunststoffe, die teilweise oder vollständig aus Biomasse hergestellt wurden (bio-basierte Kunststoffe).

Dagegen können biologisch abbaubare oder kompostierbare Kunststoffe durch lebende Organismen oder andere Prozesse abgebaut werden, aber aus jeder beliebigen Quelle stammen.

Wie nachhaltig sind Biokunststoffe?

Im ersten Fall werden Biokunststoffe oft als ökologischere Alternative zu
herkömmlichen Kunststoffen dargestellt, da sie nicht aus fossilen Rohstoffen
stammen. Glücklicherweise ist dies bis zu einem gewissen Grad wahr – sie sind
ökologisch nachhaltiger. Die Reduzierung des Einsatzes fossiler Rohstoffe hat
tatsächlich Vorteile für die Umwelt, wie die Verringerung des mit der
Kunststoffproduktion verbundenen CO2-Fußabdrucks und die teilweise
Nutzung ansonsten häufig entsorgter Biomasse als Rohstoff. Trotz ihres
ökologischeren Ursprungs verursachen Biokunststoffe bei ihrer Entsorgung jedoch
immer noch die gleichen Probleme wie herkömmliche Kunststoffe, und können zu schwer
abbaubaren Umweltkontaminanten werden.

Wie nachhaltig sind biologisch abbaubare Kunststoffe?

Im zweiten Fall scheinen biologisch abbaubare oder kompostierbare Kunststoffe die Lösung für die Umweltverschmutzung durch Kunststoffe zu sein, da sie sich in der Umwelt natürlich abbauen und schließlich in etwas Kompost-Ähnliches verwandeln sollen. Dies ist aktuell noch weit von der Realität entfernt, da die überwiegende Mehrheit dieser Kunststoffe besondere Bedingungen wie hohe Temperaturen oder das Vorhandensein spezieller Mikroben oder Enzyme benötigt, um ordnungsgemäß abgebaut zu werden. Was noch schlimmer ist: Einige kompostierbare Kunststoffe zerfallen nicht vollständig, sondern einfach in Mikroplastik, was die Umweltverschmutzungsproblematik weiter verschärfen kann. Landen diese Kunststoffe auf gewöhnlichen Mülldeponien, haben sie keinen Vorteil gegenüber herkömmlichen Kunststoffen zu bieten, und führen zu den gleichen Umweltproblemen.

Potenziale für innovative Kunststofftechnologien

Sowohl diese ersten bio-basierten als auch biologisch abbaubaren Kunststoffe können teilweise schon jetzt die Kunststoff-Problematik durch Reduzierung der Treibhausgasemissionen und der Umweltverschmutzung mildern. Darüber hinaus bieten sie das große Potenzial, bei weiterer Investition in Innovation, Forschung & Entwicklung eine echte Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe schaffen. Ein vielversprechender Ansatz hierzu ist die Entwicklung von Technologien, die es Verbrauchern ermöglichen, ihre gebrauchten Kunststoffe selbst mit speziellen Abfallbehandlungssystemen biologisch abzubauen, wie zum Beispiel Heiß- oder Wurmkompostierung oder Heim-Bioreaktoren. Obwohl diese Technologien noch nicht vollständig ausgereift sind, könnten sie einen starken Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck der Kunststoffindustrie haben, indem sie den Bedarf an Transport und externer Behandlung reduzieren.

Die Verwendung von Kunststoffen wird aufgrund ihrer technischen Vorteile bestehen bleiben, aber zumindest könnten wir es noch zu unserer Lebzeit schaffen, sie aus der Umwelt herauszuhalten. Und eines Tages schaffen wir mit genügend Anstrengung vielleicht beides: bio-basierte Kunststoffe, die biologisch abbaubar sind – echte Biokunststoffe.

Unternehmen, die in diesem Sektor innovativ tätig sind, könnten für mehrere Förderungen in Frage kommen, einschließlich steuerlicher Begünstigung und Förderprogramme auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene.

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Autor/-in

Sebastian Henz
Sebastian Henz

Senior Scientific Consultant

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