{"id":3179,"date":"2026-09-08T14:13:27","date_gmt":"2026-09-08T12:13:27","guid":{"rendered":"https:\/\/leyton.com\/de\/?post_type=article&p=3179"},"modified":"2026-10-21T17:09:52","modified_gmt":"2026-10-21T15:09:52","slug":"zim-forschungszulage-foerderlandschaft","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/leyton.com\/de\/insights\/artikel\/zim-forschungszulage-foerderlandschaft\/","title":{"rendered":"ZIM oder Forschungszulage? Was der Antragsstopp \u00fcber unsere F\u00f6rderlandschaft verr\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n

Seit dem 7. Juli 2026, 12:00 Uhr, nimmt das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie keine neuen Antr\u00e4ge <\/strong>im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)<\/a> mehr an. Betroffen sind alle Projektformen, auch Projektskizzen. Ausgenommen bleiben lediglich Antr\u00e4ge im Rahmen offener bilateraler und multilateraler internationaler Ausschreibungen. Begr\u00fcndung: Die Nachfrage ist seit dem vierten Quartal 2025 erheblich gestiegen, die Haushaltsmittel sind ausgesch\u00f6pft<\/strong>. Mit einer Wiederaufnahme wird fr\u00fchestens Anfang 2027 gerechnet, abh\u00e4ngig vom Bundeshaushalt.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr Unternehmen, die ZIM fest eingeplant hatten, gerade einen Antrag vorbereiten oder sich bereits mitten in der Antragstellung befinden, ist das deshalb keine blo\u00dfe Programmmeldung, sondern ein akutes Finanzierungsproblem. In <\/a>den Beratungsgespr\u00e4chen, die ich mit unseren Kunden f\u00fchre, ist das seit Wochen die erste Frage: \u201eWas machen wir jetzt?\u201c Die Antwort lautet fast immer: Forschungszulage<\/a>. Das ist richtig, aber es ist zu kurz gedacht. Denn ZIM und Forschungszulage sind keine austauschbaren T\u00f6pfe. <\/strong>Sie folgen zwei grundverschiedenen f\u00f6rderpolitischen Logiken.<\/strong> Wer den Unterschied versteht, trifft nicht nur jetzt die bessere Entscheidung, sondern erkennt auch, in welche Richtung sich die deutsche F\u00f6rderlandschaft insgesamt bewegt.<\/a><\/p>\n\n\n\n

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Zwei Instrumente, zwei Philosophien<\/a><\/h2>\n\n\n\n

Das ZIM ist eine klassische Projektf\u00f6rderung:<\/strong> ein nicht r\u00fcckzahlbarer Zuschuss f\u00fcr ein konkretes, im Vorfeld definiertes F&E-Vorhaben. Der Antrag muss vor Projektbeginn gestellt werden, der Projekttr\u00e4ger pr\u00fcft Innovationsh\u00f6he, technisches Risiko, Verwertungsaussichten und Bonit\u00e4t. Es gibt kein Anrecht auf F\u00f6rderung, sondern eine Bewilligung nach Ermessen im Rahmen verf\u00fcgbarer Mittel. Genau deshalb ist ein Antragsstopp \u00fcberhaupt m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n

Die Forschungszulage funktioniert umgekehrt. Sie ist keine Zuwendung, sondern ein steuerlicher Anspruch nach dem Forschungszulagengesetz (FZulG)<\/strong>. Wer forscht und die formalen Voraussetzungen erf\u00fcllt, bekommt sie. Nicht weil ein Gutachter das Vorhaben f\u00fcr f\u00f6rderw\u00fcrdig h\u00e4lt, sondern weil das Gesetz es vorsieht. Der Staat w\u00e4hlt keine Projekte aus, er verbilligt F&E-Aufwand pauschal und im Nachhinein.<\/p>\n\n\n\n

<\/div>\n\n\n\n

Der Vergleich im \u00dcberblick<\/a><\/h3>\n\n\n\n
Kriterium<\/th>ZIM<\/th>Forschungszulage (FzulG)<\/th><\/tr><\/thead>
Rechts-<\/strong>
natur<\/strong><\/td>
Zuwendung nach Ermessen<\/td>Rechtsanspruch, steuerlich<\/td><\/tr>
Antrags-
zeitpunkt<\/strong><\/td>
zwingend vor Projektbeginn<\/td>auch r\u00fcckwirkend m\u00f6glich, im Rahmen der Festsetzungsfristen<\/td><\/tr>
Budget<\/strong><\/td>25 bis 60 %, je nach Gr\u00f6\u00dfe, Projektform und Region<\/td>25 %, f\u00fcr KMU auf Antrag 35 %<\/td><\/tr>
Bemes-sungs-
grenze<\/strong><\/td>
690.000 \u20ac (Einzelprojekt), 560.000 \u20ac pro Unternehmen im Kooperationsprojekt, max. 3 Mio. \u20ac pro Gesamtprojekt<\/td>Bemessungsgrundlage bis 12 Mio. \u20ac pro Wirtschaftsjahr (ab 01.01.2026), also bis 3 Mio. \u20ac Zulage, f\u00fcr KMU bis 4,2 Mio. \u20ac<\/td><\/tr>
Berech-tigte<\/strong><\/td>KMU und Mittelstand bis 999 Besch\u00e4ftigte (500\u2013999 nur in Kooperation), Forschungseinrichtungen als Partner<\/td>alle in Deutschland steuerpflichtigen Unternehmen mit Gewinneink\u00fcnften, unabh\u00e4ngig von Gr\u00f6\u00dfe, Rechtsform, Branche und Gewinnsituation<\/td><\/tr>
Mittel-fluss<\/strong><\/td>projektbegleitend, Abruf w\u00e4hrend der Laufzeit<\/td>\u00fcber die Steuerveranlagung nach Ablauf des Wirtschaftsjahres, \u00dcberschuss als Erstattung<\/td><\/tr>
Verfahren<\/strong><\/td>Antrag beim Projekttr\u00e4ger, fachliche Bewertung<\/td>zweistufig: Bescheinigung der BSFZ, dann Antrag beim Finanzamt<\/td><\/tr>
Koope-<\/strong>
ration<\/strong><\/td>
zentraler Bestandteil, Netzwerke und Forschungspartner ausdr\u00fccklich gef\u00f6rdert<\/td>Auftragsforschung mit 70 % des Entgelts (EU\/EWR), keine echte Kooperationsf\u00f6rderung<\/td><\/tr>
Drum-<\/strong>
herum<\/strong><\/td>
Durchf\u00fchrbarkeitsstudien, Innovationsnetzwerke, Dienstleistungen zur Markteinf\u00fchrung<\/td>nur F&E im beihilferechtlichen Sinn, keine Markteinf\u00fchrung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n
\"ZIM<\/figure>\n\n\n\n

Praktisch hei\u00dft das: <\/strong>Bei einem kleinen, sauber abgrenzbaren Vorhaben mit Hochschulpartner war das ZIM oft die h\u00f6here F\u00f6rderung, weil 45 bis 55 % Quote auf 560.000 \u20ac schlicht mehr sind als 35 % auf denselben Betrag. Bei kontinuierlicher Entwicklungsarbeit \u00fcber mehrere Jahre und \u00fcber mehrere Vorhaben hinweg gewinnt die Forschungszulage, weil sie nicht an ein einzelnes Projekt gebunden ist und mit 12 Mio. \u20ac Bemessungsgrundlage inzwischen ein Volumen abdeckt, das ZIM nie erreichen konnte.<\/p>\n\n\n\n

Und zwei Dinge, die in der Beratung regelm\u00e4\u00dfig untergehen: Erstens d\u00fcrfen dieselben Aufwendungen nicht doppelt gef\u00f6rdert <\/strong>werden. Wer ZIM-Zusch\u00fcsse erh\u00e4lt, muss die entsprechenden Kosten aus der Bemessungsgrundlage der Forschungszulage herausrechnen. Die Kombination ist m\u00f6glich<\/strong>, aber nur bei klarer Kostentrennung. Zweitens wirkt die Forschungszulage auch dann, wenn keine Steuer anf\u00e4llt: Sie wird auf die festgesetzte Steuer angerechnet, ein \u00dcberschuss wird ausgezahlt. F\u00fcr verlusttr\u00e4chtige Entwicklungsphasen und f\u00fcr Start-ups ist das der eigentliche Hebel.<\/p>\n\n\n\n

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Die Konditionen der Forschungszulage sind in f\u00fcnf Jahren dreimal verbessert worden<\/h2>\n\n\n\n

Wer die Entwicklung des FZulG nebeneinanderlegt, sieht keine Feinjustierung, sondern einen Ausbau:<\/p>\n\n\n\n