{"id":3179,"date":"2026-09-08T14:13:27","date_gmt":"2026-09-08T12:13:27","guid":{"rendered":"https:\/\/leyton.com\/de\/?post_type=article&#038;p=3179"},"modified":"2026-09-08T14:13:28","modified_gmt":"2026-09-08T12:13:28","slug":"zim-forschungszulage-foerderlandschaft","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/leyton.com\/de\/insights\/artikel\/zim-forschungszulage-foerderlandschaft\/","title":{"rendered":"ZIM oder Forschungszulage? Was der Antragsstopp \u00fcber unsere F\u00f6rderlandschaft verr\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem 7. Juli 2026, 12:00 Uhr, nimmt das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie <strong>keine neuen Antr\u00e4ge <\/strong>im <a href=\"https:\/\/leyton.com\/de\/zentrales-innovationsprogramm-mittelstand-zim\/\" data-type=\"page\" data-id=\"1482\">Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)<\/a> mehr an. Betroffen sind alle Projektformen, auch Projektskizzen. Ausgenommen bleiben lediglich Antr\u00e4ge im Rahmen offener bilateraler und multilateraler internationaler Ausschreibungen. Begr\u00fcndung: Die Nachfrage ist seit dem vierten Quartal 2025 erheblich gestiegen, <strong>die Haushaltsmittel sind ausgesch\u00f6pft<\/strong>. Mit einer Wiederaufnahme wird fr\u00fchestens Anfang 2027 gerechnet, abh\u00e4ngig vom Bundeshaushalt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a>F\u00fcr Unternehmen, die ZIM fest eingeplant hatten, gerade einen Antrag vorbereiten oder sich bereits mitten in der Antragstellung befinden, ist das deshalb keine blo\u00dfe Programmmeldung, sondern ein akutes Finanzierungsproblem. In <\/a>den Beratungsgespr\u00e4chen, die ich mit unseren Kunden f\u00fchre, ist das seit Wochen die erste Frage: \u201eWas machen wir jetzt?\u201c Die Antwort lautet fast immer: <a href=\"https:\/\/leyton.com\/de\/forschungszulage\/\" data-type=\"page\" data-id=\"1142\">Forschungszulage<\/a>. Das ist richtig, aber es ist zu kurz gedacht. <strong>Denn ZIM und Forschungszulage sind keine austauschbaren T\u00f6pfe. <\/strong>Sie folgen zwei grundverschiedenen <strong>f\u00f6rderpolitischen Logiken.<\/strong> Wer den Unterschied versteht, trifft nicht nur jetzt die bessere Entscheidung, sondern erkennt auch, in welche Richtung sich die deutsche F\u00f6rderlandschaft insgesamt bewegt.<a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-spacer\" style=\"height: 20px;\" aria-hidden=\"true\"><\/div>\n\n\n\n<h2 id=\"h-zwei-instrumente-zwei-philosophien\" class=\"wp-block-heading\"><a>Zwei Instrumente, zwei Philosophien<\/a><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ZIM ist eine <strong>klassische Projektf\u00f6rderung:<\/strong> ein nicht r\u00fcckzahlbarer Zuschuss f\u00fcr ein konkretes, im Vorfeld definiertes F&amp;E-Vorhaben. Der Antrag muss vor Projektbeginn gestellt werden, der Projekttr\u00e4ger pr\u00fcft Innovationsh\u00f6he, technisches Risiko, Verwertungsaussichten und Bonit\u00e4t. Es gibt kein Anrecht auf F\u00f6rderung, sondern eine Bewilligung nach Ermessen im Rahmen verf\u00fcgbarer Mittel. Genau deshalb ist ein Antragsstopp \u00fcberhaupt m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschungszulage funktioniert umgekehrt. Sie ist keine Zuwendung, sondern<strong> ein steuerlicher Anspruch nach dem Forschungszulagengesetz (FZulG)<\/strong>. Wer forscht und die formalen Voraussetzungen erf\u00fcllt, bekommt sie. Nicht weil ein Gutachter das Vorhaben f\u00fcr f\u00f6rderw\u00fcrdig h\u00e4lt, sondern weil das Gesetz es vorsieht. Der Staat w\u00e4hlt keine Projekte aus, er verbilligt F&amp;E-Aufwand pauschal und im Nachhinein.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 id=\"h-der-vergleich-im-uberblick\" class=\"wp-block-heading\"><a>Der Vergleich im \u00dcberblick<\/a><\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><thead><tr><th>Kriterium<\/th><th>ZIM<\/th><th>Forschungszulage (FzulG)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Rechts-<\/strong><br><strong>natur<\/strong><\/td><td>Zuwendung nach Ermessen<\/td><td>Rechtsanspruch, steuerlich<\/td><\/tr><tr><td><strong>Antrags-<br>zeitpunkt<\/strong><\/td><td>zwingend vor Projektbeginn<\/td><td>auch r\u00fcckwirkend m\u00f6glich, im Rahmen der Festsetzungsfristen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Budget<\/strong><\/td><td>25 bis 60 %, je nach Gr\u00f6\u00dfe, Projektform und Region<\/td><td>25 %, f\u00fcr KMU auf Antrag 35 %<\/td><\/tr><tr><td><strong>Bemes-sungs-<br>grenze<\/strong><\/td><td>690.000 \u20ac (Einzelprojekt), 560.000 \u20ac pro Unternehmen im Kooperationsprojekt, max. 3 Mio. \u20ac pro Gesamtprojekt<\/td><td>Bemessungsgrundlage bis 12 Mio. \u20ac pro Wirtschaftsjahr (ab 01.01.2026), also bis 3 Mio. \u20ac Zulage, f\u00fcr KMU bis 4,2 Mio. \u20ac<\/td><\/tr><tr><td><strong>Berech-tigte<\/strong><\/td><td>KMU und Mittelstand bis 999 Besch\u00e4ftigte (500\u2013999 nur in Kooperation), Forschungseinrichtungen als Partner<\/td><td>alle in Deutschland steuerpflichtigen Unternehmen mit Gewinneink\u00fcnften, unabh\u00e4ngig von Gr\u00f6\u00dfe, Rechtsform, Branche und Gewinnsituation<\/td><\/tr><tr><td><strong>Mittel-fluss<\/strong><\/td><td>projektbegleitend, Abruf w\u00e4hrend der Laufzeit<\/td><td>\u00fcber die Steuerveranlagung nach Ablauf des Wirtschaftsjahres, \u00dcberschuss als Erstattung<\/td><\/tr><tr><td><strong>Verfahren<\/strong><\/td><td>Antrag beim Projekttr\u00e4ger, fachliche Bewertung<\/td><td>zweistufig: Bescheinigung der BSFZ, dann Antrag beim Finanzamt<\/td><\/tr><tr><td><strong>Koope-<\/strong><br><strong>ration<\/strong><\/td><td>zentraler Bestandteil, Netzwerke und Forschungspartner ausdr\u00fccklich gef\u00f6rdert<\/td><td>Auftragsforschung mit 70 % des Entgelts (EU\/EWR), keine echte Kooperationsf\u00f6rderung<\/td><\/tr><tr><td><strong>Drum-<\/strong><br><strong>herum<\/strong><\/td><td>Durchf\u00fchrbarkeitsstudien, Innovationsnetzwerke, Dienstleistungen zur Markteinf\u00fchrung<\/td><td>nur F&amp;E im beihilferechtlichen Sinn, keine Markteinf\u00fchrung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/leyton.com\/wp-content\/blogs.dir\/7\/files\/2026\/09\/zim_vs_forschungszulage.png\" alt=\"ZIM vs. Forschungszulage: Die F\u00f6rderlandschaft im Vergleich\" class=\"wp-image-3233\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Praktisch hei\u00dft das: <\/strong>Bei einem kleinen, sauber abgrenzbaren Vorhaben mit Hochschulpartner war das ZIM oft die h\u00f6here F\u00f6rderung, weil 45 bis 55 % Quote auf 560.000 \u20ac schlicht mehr sind als 35 % auf denselben Betrag. Bei kontinuierlicher Entwicklungsarbeit \u00fcber mehrere Jahre und \u00fcber mehrere Vorhaben hinweg gewinnt die Forschungszulage, weil sie nicht an ein einzelnes Projekt gebunden ist und mit 12 Mio. \u20ac Bemessungsgrundlage inzwischen ein Volumen abdeckt, das ZIM nie erreichen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und zwei Dinge, die in der Beratung regelm\u00e4\u00dfig untergehen: Erstens d\u00fcrfen dieselben Aufwendungen <strong>nicht doppelt gef\u00f6rdert <\/strong>werden. Wer ZIM-Zusch\u00fcsse erh\u00e4lt, muss die entsprechenden Kosten aus der Bemessungsgrundlage der Forschungszulage herausrechnen. Die<strong> Kombination ist m\u00f6glich<\/strong>, aber nur bei klarer Kostentrennung. Zweitens wirkt die Forschungszulage auch dann, wenn keine Steuer anf\u00e4llt: Sie wird auf die festgesetzte Steuer angerechnet, ein \u00dcberschuss wird ausgezahlt. F\u00fcr verlusttr\u00e4chtige Entwicklungsphasen und f\u00fcr Start-ups ist das der eigentliche Hebel.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 id=\"h-die-konditionen-der-forschungszulage-sind-in-funf-jahren-dreimal-verbessert-worden\" class=\"wp-block-heading\">Die Konditionen der Forschungszulage sind in f\u00fcnf Jahren dreimal verbessert worden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die Entwicklung des FZulG nebeneinanderlegt, sieht keine Feinjustierung, sondern einen Ausbau:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Start 2020:<\/strong> 25 % auf Personalkosten, Bemessungsgrundlage 2 Mio. \u20ac, sp\u00e4ter 4 Mio. \u20ac.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wachstumschancengesetz (Aufwendungen ab 28.03.2024):<\/strong> Bemessungsgrundlage auf 10 Mio. \u20ac, Auftragsforschung von 60 auf 70 %, Eigenleistungen 70 \u20ac\/Stunde, erstmals Abschreibungen auf bewegliche Wirtschaftsg\u00fcter des Anlageverm\u00f6gens.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Steuerliches Investitionssofortprogramm, verk\u00fcndet am 18.07.2025, wirksam ab 01.01.2026 (der \u201eInvestitionsbooster\u201c):<\/strong> Bemessungsgrundlage auf 12 Mio. \u20ac, Eigenleistungen auf 100 \u20ac\/Stunde bei maximal 40 Stunden pro Woche, und erstmals eine pauschale Ber\u00fccksichtigung von Gemein- und sonstigen Betriebskosten in H\u00f6he von 20 % auf die f\u00f6rderf\u00e4higen direkten Kosten, ohne Einzelnachweis. Beim Stichtag der Gemeinkostenpauschale lohnt der Blick in den Einzelfall, hier ist die Praxis noch nicht \u00fcberall deckungsgleich.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Jahressteuergesetz 2026 (Regierungsentwurf vom 12.08.2026, noch nicht verabschiedet):<\/strong> Anhebung der beihilferechtlichen Obergrenze in \u00a7 4 Abs. 3 FZulG von 15 auf 25 Mio. \u20ac pro Unternehmen und Vorhaben, r\u00fcckwirkend ab 01.01.2026, au\u00dferdem eine eigene Ablaufhemmung in \u00a7 12 FZulG, damit Anspr\u00fcche nicht verfallen, wenn das Bescheinigungsverfahren l\u00e4nger dauert als die Festsetzungsfrist.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div style=\"height:15px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die letzte \u00c4nderung ist die unspektakul\u00e4rste und die aufschlussreichste. Sie r\u00e4umt kein F\u00f6rdervolumen frei, sie r\u00e4umt Verfahrensrisiko ab. Der Gesetzgeber pflegt die Forschungszulage inzwischen wie ein Instrument, das dauerhaft tragen soll.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 id=\"h-stellungnahme-ja-hier-verschiebt-sich-etwas-und-zwar-nicht-nur-wegen-des-haushalts\" class=\"wp-block-heading\">Stellungnahme: Ja, hier verschiebt sich etwas, und zwar nicht nur wegen des Haushalts<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann den ZIM-Stopp als Haushaltsunfall abtun und die FZulG-Novellen als Zufallsserie. Ich halte beides f\u00fcr falsch. In der Summe entsteht ein <strong>Wettbewerbsdruck<\/strong>, den man in der Beratungspraxis t\u00e4glich sp\u00fcrt: Auf der einen Seite ein Programm mit begrenztem Budget, das bei steigender Nachfrage zwangsl\u00e4ufig zum Windhundrennen wird und im Extremfall ganz schlie\u00dft. Auf der anderen Seite ein Instrument, das dreimal in f\u00fcnf Jahren attraktiver geworden ist, keinen Deckel kennt und r\u00fcckwirkend funktioniert. Wenn ein Unternehmen 2026 entscheidet, wo es seine begrenzte Antragskapazit\u00e4t einsetzt, ist diese Entscheidung l\u00e4ngst gefallen, bevor ich sie empfehle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit werden <strong>klassische F\u00f6rdermittel schrittweise verdr\u00e4ngt<\/strong>, und zwar aus zwei Richtungen gleichzeitig: fiskalisch, weil Zuschussprogramme jedes Jahr neu im Haushalt verteidigt werden m\u00fcssen, w\u00e4hrend der steuerliche Anspruch als Mindereinnahme l\u00e4uft und politisch unauff\u00e4lliger ist. Und praktisch, weil Unternehmen aus zwei Anl\u00e4ufen mit sechs Monaten Verfahrensdauer und offenem Ausgang lernen, dass Planbarkeit mehr wert ist als eine h\u00f6here Quote. Der DIHK, Fraunhofer und die Zuse-Gemeinschaft haben zu Recht kritisiert, dass hier ein zentrales Instrument des Technologietransfers vor\u00fcbergehend stillgelegt wurde. Das trifft nicht alle gleich: Es trifft Erstinnovatoren, Kleinstunternehmen und Vorhaben mit Hochschulpartnern, also genau die Gruppen, f\u00fcr die die ZIM-Richtlinie 2025 eigentlich verbessert worden war. Die Forschungszulage kann diese L\u00fccke nicht schlie\u00dfen. Sie belohnt vorhandene Forschungskapazit\u00e4t, sie baut keine auf. Wer noch nie entwickelt hat, bekommt von 35 % auf Personalkosten, die er nicht hat, genau nichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Position: <strong>Die Richtung des Umbaus ist vertretbar und \u00fcberf\u00e4llig. Die Art, wie er passiert, ist es nicht. <\/strong>Ein Systemwechsel, der sich aus Haushaltssperren und Antragsstopps ergibt, statt aus einer Entscheidung, hinterl\u00e4sst Vertrauenssch\u00e4den, die man sp\u00e4ter teuer zur\u00fcckkaufen muss.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 id=\"h-wohin-das-fuhrt-vom-projektstaat-zum-zulagensystem\" class=\"wp-block-heading\">Wohin das f\u00fchrt: vom Projektstaat zum Zulagensystem<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a>Erlauben Sie mir an dieser Stelle einen Schritt zur\u00fcck. Deutschland war international lange ein Sonderfall. W\u00e4hrend Frankreich mit dem Cr\u00e9dit d\u2019Imp\u00f4t Recherche, das Vereinigte K\u00f6nigreich mit R&amp;D Tax Relief, die Niederlande mit der WBSO und die USA mit dem Research Credit seit Jahrzehnten steuerlich f\u00f6rdern, hat Deutschland bis 2020 fast ausschlie\u00dflich \u00fcber Projektzusch\u00fcsse gesteuert. Wir haben ausgew\u00e4hlt, begutachtet, Verwertungspl\u00e4ne gepr\u00fcft und Meilensteine abgenommen. Das war kein Zufall, sondern <strong>Ausdruck einer Innovationskultur<\/strong>, die dem Staat zutraut, gute von schlechten Vorhaben zu unterscheiden, und dem Ingenieur zutraut, ein Vorhaben zwei Jahre im Voraus zu beschreiben.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein zulagenbasiertes System entzieht dem Staat diese Rolle.<\/strong> Es fragt nicht mehr, ob ein Vorhaben f\u00f6rderw\u00fcrdig ist, sondern nur, ob es sich um Forschung oder experimentelle Entwicklung handelt. Und das hat Konsequenzen, die weit \u00fcber die Antragsmechanik hinausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Projektf\u00f6rderung erzieht zur langen Linie. Wer einen Zuschuss f\u00fcr ein 24-Monats-Vorhaben mit Arbeitspaketen und definiertem Zielprodukt bekommt, entwickelt dieses Vorhaben zu Ende, auch wenn er im achten Monat merkt, dass der Markt woanders steht. \u00c4nderungsantr\u00e4ge sind m\u00f6glich, aber teuer, und der Verwertungsplan von damals liegt bei der Zwischenpr\u00fcfung auf dem Tisch. Das beg\u00fcnstigt genau das, was man dem deutschen Mittelstand nachsagt: lange entwickeln, gr\u00fcndlich validieren, dann ein formfertiges Produkt in den Markt geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Zulage ist gegen\u00fcber dem Entwicklungspfad gleichg\u00fcltig. <\/strong>Sie fragt nach Wirtschaftsjahr und Aufwand, nicht nach Zielerreichung. Ein Vorhaben, das nach vier Monaten abgebrochen wird, weil die Hypothese widerlegt ist, <strong>ist f\u00f6rderf\u00e4hig<\/strong>. Ein Pivot, der im Zuschussverfahren eine Nachverhandlung w\u00e4re, ist hier ein neues Vorhaben oder gar kein Ereignis. <strong>Der Systemwechsel subventioniert damit nicht mehr Ergebnisse, sondern Versuche. <\/strong>Und wer Versuche subventioniert, bekommt mehr davon: k\u00fcrzere Zyklen, fr\u00fchere Prototypen, mehr Iterationsschleifen, mehr produktive Fehlschl\u00e4ge. Genau die Entwicklungsweise, die in Nordamerika und in Teilen Asiens Standard ist und die deutsche Unternehmen bisher meist an ihre Software-Einheiten delegiert haben, w\u00e4hrend die Kernentwicklung im alten Rhythmus blieb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich halte das f\u00fcr die eigentliche, kaum <strong>diskutierte Wirkung der FZulG-Novellen. <\/strong>Wer die Gemeinkostenpauschale, die 12 Mio. \u20ac Bemessungsgrundlage und die perioden\u00fcbergreifende Betrachtung im Jahressteuergesetz 2026 nebeneinanderlegt, sieht ein Instrument, das darauf ausgelegt ist, kontinuierliche Entwicklungst\u00e4tigkeit zu finanzieren und nicht einzelne Projekte. <strong>Es finanziert eine F&amp;E-Abteilung, nicht einen Antrag.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/leyton.com\/wp-content\/blogs.dir\/7\/files\/2026\/09\/Standpunkt-zur-FE-Foerderung-1024x512.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3238\"\/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:26px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zwei Einschr\u00e4nkungen bleiben.<\/strong> Erstens f\u00f6rdert die Forschungszulage ausdr\u00fccklich <strong>keine<\/strong> <strong>Markteinf\u00fchrung<\/strong>. Iteration wird nur so lange belohnt, wie technologische Ungewissheit besteht. Wer schnelle Schleifen nur noch am Markt dreht, verl\u00e4sst den F\u00f6rderbereich, und die Abgrenzung wird der Streitpunkt der n\u00e4chsten Jahre. Zweitens verliert der Staat mit der Steuerungsf\u00e4higkeit auch die F\u00e4higkeit, <strong>Kooperation zu erzwingen<\/strong>. Der Transfer zwischen Hochschule und Mittelstand, den das ZIM erzeugt hat, entsteht in einem Zulagensystem nicht von selbst. In regulierten Feldern wie Medizintechnik oder Bahntechnik ist die deutsche Gr\u00fcndlichkeit au\u00dferdem kein Kulturfehler, sondern Zulassungsvoraussetzung. Ein Zulagensystem, das nur noch Geschwindigkeit belohnt, w\u00fcrde dort ins Leere f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mein Fazit<a>: <\/a><\/strong><a>Wir bewegen uns auf ein <strong>hybrides Modell <\/strong>zu, in dem die steuerliche Zulage die Grundlast tr\u00e4gt und Zusch\u00fcsse zu Sonderinstrumenten f\u00fcr Kooperation, Transfer und strategische Technologien werden. <\/a>Das ist eine <strong>Ann\u00e4herung an internationale Standards<\/strong>, und sie wird die Art ver\u00e4ndern, wie in Deutschland <strong>entwickelt <\/strong>wird \u2013 und nicht nur die Art, wie F\u00f6rderung beantragt wird.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 id=\"h-was-sie-jetzt-konkret-tun-sollten\" class=\"wp-block-heading\">Was Sie jetzt konkret tun sollten<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><strong>Forschungszulage aufsetzen, auch f\u00fcr die Vergangenheit.<\/strong> Der Anspruch l\u00e4sst sich f\u00fcr abgeschlossene Wirtschaftsjahre im Rahmen der Festsetzungsfristen nachholen. Unternehmen, die seit 2020 entwickeln und nie beantragt haben, sitzen h\u00e4ufig auf sechsstelligen Betr\u00e4gen. <a>Die Frist, Projektkosten aus 2022 r\u00fcckwirkend finanzieren zu lassen, erlischt am 31.12.2026<\/a>. Wer hier keine F\u00f6rderung liegen lassen m\u00f6chte, sollte schnell sein.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Stichtagsmanagement 2026 ernst nehmen.<\/strong> Bemessungsgrundlage, Eigenleistungspauschale und Gemeinkostenpauschale h\u00e4ngen davon ab, wann die Aufwendungen entstanden sind. Wichtig ist es also, Projektstart, Wirtschaftsjahr und Entstehungszeitpunkt des Aufwands sauber zu dokumentieren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kostentrennung sicherstellen.<\/strong> Laufende ZIM-Bewilligungen und Forschungszulage sind kombinierbar, aber nicht f\u00fcr dieselben Aufwendungen. Das geh\u00f6rt vor dem FZulG-Antrag gekl\u00e4rt, nicht danach.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>ZIM nicht abschreiben.<\/strong> Skizzen und Projektstrukturen jetzt vorbereiten, damit Sie bei Wiederaufnahme, voraussichtlich Anfang 2027, in der ersten Welle stehen. Internationale bilaterale und multilaterale Ausschreibungen sind vom Stopp ausgenommen und aktuell der einzige offene ZIM-Pfad.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Dokumentation auf technologische Ungewissheit umstellen.<\/strong> In einem Zulagensystem entscheidet nicht der Verwertungsplan, sondern der Nachweis, dass Sie ein Ergebnis nicht vorhersehen konnten. Laborb\u00fccher, Versuchsprotokolle, verworfene Ans\u00e4tze: Was fr\u00fcher Projektrisiko war, ist heute Ihr F\u00f6rderbeleg.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 id=\"h-fordermittel-strategisch-ausrichten\" class=\"wp-block-heading\">F\u00f6rdermittel strategisch ausrichten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-\">Wenn Sie unsicher sind, welcher F\u00f6rderweg f\u00fcr Ihr Vorhaben der richtige ist, unterst\u00fctzen wir Sie gerne bei der Einordnung. Leyton begleitet Unternehmen bei der Entwicklung einer passenden F\u00f6rderstrategie, pr\u00fcft die F\u00f6rderf\u00e4higkeit von F&amp;E-Aktivit\u00e4ten und<strong> hilft dabei, ZIM, Forschungszulage und weitere F\u00f6rderinstrumente sinnvoll miteinander zu verzahnen<\/strong>. Gerade jetzt in der aktuellen \u00dcbergangsphase lohnt sich ein strukturierter Blick auf laufende und geplante Entwicklungsprojekte.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:26px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Beitrag gibt den Rechts- und Verfahrensstand vom 31. August 2026 wieder. Das Jahressteuergesetz 2026 befindet sich im Gesetzgebungsverfahren, \u00c4nderungen sind m\u00f6glich. Die Ausf\u00fchrungen sind allgemeine Informationen und keine Steuerberatung im Sinne des \u00a7 1 StBerG. \u00dcber die F\u00f6rderf\u00e4higkeit eines Vorhabens entscheiden ausschlie\u00dflich die Bescheinigungsstelle Forschungszulage und das zust\u00e4ndige Finanzamt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a><strong>Quellen:<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bundesministerium der Finanzen: <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Pressemitteilungen\/Finanzpolitik\/2026\/08\/2026-08-12-jahressteuergesetz-2026.html\">Bundeskabinett beschlie\u00dft Jahressteuergesetz 2026.<\/a> (abgerufen am 31.08.2026).<\/li>\n\n\n\n<li>Bundesministerium der Finanzen: <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Web\/DE\/Themen\/Steuern\/Steuerliche_Themengebiete\/Forschungszulage\/forschungszulage.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gesetz zur steuerlichen F\u00f6rderung von Forschung und Entwicklung (Forschungszulagengesetz \u2013 FZulG).<\/a>&nbsp;(abgerufen am 31.08.2026).<\/li>\n\n\n\n<li>Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie: <a href=\"https:\/\/www.zim.de\/ZIM\/Redaktion\/DE\/Meldungen\/2026\/3\/2026-07-07-befristeter-antragsstopp.html\">Befristeter Antragsstopp ab 7. Juli 2026, 12:00 Uhr.<\/a> (abgerufen am 31.08.2026).<a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 7. Juli 2026, 12:00 Uhr, nimmt das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie keine neuen Antr\u00e4ge im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) mehr an. Betroffen sind alle Projektformen, auch Projektskizzen. Ausgenommen bleiben lediglich Antr\u00e4ge im Rahmen offener bilateraler und multilateraler internationaler Ausschreibungen. 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